„App kostenlos erstellen" ist eine ehrliche Suchanfrage mit einer unehrlichen Antwortlandschaft. Die kurze Version: Erstellen ist kostenlos möglich, Veröffentlichen nicht — und die eigentlichen Kosten entstehen erst später. Hier steht, wo genau.
Was tatsächlich kostenlos ist
| Werkzeug | Kostenloser Tarif | Grenze |
|---|---|---|
| Glide | ja | Nutzerzahl, kein eigenes Branding |
| Adalo | ja | keine Store-Veröffentlichung |
| FlutterFlow | ja | kein Code-Export |
| Bubble | ja | kein eigener Domainname |
| KI-Generatoren | teilweise | Ausgabe meist Web, nicht nativ |
Alle diese Werkzeuge lassen Sie eine funktionierende App bauen und auf dem eigenen Gerät testen. Das ist echt und nützlich — für Validierung ist es sogar der richtige Weg.
Was nicht kostenlos ist
Ab dem Moment, in dem die App in einen Store soll:
- Apple Developer Program — 99 $ pro Jahr, ohne Ausnahme
- Google Play Developer — einmalig 25 $
- Baukasten-Tarif — 30–200 € monatlich für Store-Veröffentlichung, eigene Domain und ausreichende Nutzerzahlen
- Rechtstexte — Datenschutzerklärung und Impressum sind Pflicht, und die Datenschutzerklärung muss zu dem passen, was die App tatsächlich sammelt
Über drei Jahre landen Sie bei 1.000–7.000 € — für eine Anwendung, deren Quellcode Ihnen nicht gehört.
Die Apple-Hürde, die niemand erwähnt
Richtlinie 4.2 (Minimum Functionality). Eine App muss eigenständigen Nutzen bieten. Eine Hülle um eine bestehende Website wird abgelehnt, und zwar zuverlässig. Das trifft besonders KI-Generatoren, deren Ausgabe im Kern eine Webansicht ist.
Praktisch heißt das: Die kostenlose Variante bringt Sie bis zum Testgerät. Zwischen Testgerät und App Store liegt eine Hürde, die Geld oder echte native Funktionalität verlangt — meist beides.
Wo Baukästen die richtige Wahl sind
Ohne Einschränkung sinnvoll bei:
- Marktvalidierung vor der Investitionsentscheidung
- internen Werkzeugen — Team-App, Formulare, Checklisten, kein Store nötig
- reinen Content-Apps ohne eigene Datenlogik
- Event- oder Kampagnen-Apps mit begrenzter Laufzeit
In diesen Fällen ist eigene Entwicklung schlicht die falsche Investition.
Wo sie zur Sackgasse werden
Sobald einer dieser Punkte auftaucht, arbeiten Sie gegen das Werkzeug:
- Eigene Datenmodelle — Beziehungen, Rollen, Berechtigungen
- Offline-Betrieb — Synchronisation und Konfliktauflösung
- In-App-Käufe mit Abo-Logik — Testphasen, Upgrades, Erstattungen
- Anbindung an Ihr Backend — ERP, CRM, Warenwirtschaft; siehe API-Integration
- Performance bei Datenmengen — lange Listen, Medien, Suche
Der entscheidende Punkt: Baukasten-Apps lassen sich nicht migrieren. Es gibt keinen nutzbaren Code-Export. Sie übernehmen Inhalte und Nutzerdaten und bauen die Anwendung neu. Der Baukasten ist eine gute Testphase — als Fundament ist er teuer.
Was der Store zusätzlich verlangt — auch bei Baukasten-Apps
Diese Anforderungen gelten unabhängig davon, womit die App gebaut wurde. Sie sind der häufigste Grund, warum eine fertige Baukasten-App trotzdem nicht online geht:
- Privacy Manifest (Apple) — eine maschinenlesbare Erklärung, welche Daten die App und jedes eingebundene SDK erfassen. Baukästen liefern sie nicht immer vollständig mit; fehlt sie, wird der Upload abgelehnt.
- Data Safety Form (Google Play) — dasselbe Prinzip, eigenes Formular. Die Angaben müssen zum tatsächlichen Verhalten passen, sonst folgt eine nachträgliche Sperre.
- App Tracking Transparency — wenn Werbe-IDs im Spiel sind, braucht es den Dialog. Viele Baukasten-Analytics aktivieren das Tracking standardmäßig.
- Altersfreigabe und Inhaltsbewertung — bei nutzergenerierten Inhalten zusätzlich Meldefunktion und Moderationskonzept, sonst Ablehnung.
- Kontoauflösung in der App — Apple verlangt sie, wenn sich Nutzer in der App registrieren können. Nicht jeder Baukasten bietet das an.
Rechnen Sie für diese Punkte ein bis zwei Wochen ein — auch dann, wenn die App selbst an einem Nachmittag entstanden ist.
Die Zwischenstufe, die oft übersehen wird
Zwischen „kostenlos" und „60.000 € Vollprojekt" liegt ein Band, das selten angeboten wird: ein eng geschnittener MVP mit eigenem Code für 25.000–60.000 €, in 4–8 Wochen.
Der Unterschied zum Baukasten ist nicht die Optik, sondern die Anschlussfähigkeit: Der Code gehört Ihnen, das Datenmodell ist Ihres, und die zweite Version baut auf der ersten auf statt sie zu ersetzen. Die vollständigen Preisbänder stehen in Was kostet App-Entwicklung 2026?.
Was Sie dafür aufgeben: die Möglichkeit, morgen zu starten. Discovery und Architektur kosten die ersten ein bis zwei Wochen.
Drei Jahre gerechnet — ein realistisches Beispiel
Angenommen, eine App mit Nutzerkonten, einer Produktliste und Push-Nachrichten, die im dritten Jahr rund 8.000 aktive Nutzer hat:
| Posten | Baukasten | Eigener MVP |
|---|---|---|
| Aufbau | 0 € | 35.000 € |
| Lizenz, 36 Monate | 3.600–7.200 € | 0 € |
| Store-Gebühren | 325 € | 325 € |
| Anpassungen durch Dienstleister | 6.000–12.000 € | im Betrieb enthalten |
| Betrieb / Wartung, 3 Jahre | — | 15.000–21.000 € |
| Neubau im Jahr 3 | 35.000–60.000 € | entfällt |
| Summe | 45.000–80.000 € | 50.000–56.000 € |
Die Zahlen liegen nahe beieinander — und genau das ist der Punkt. Der Baukasten ist nicht billiger, er verschiebt die Ausgabe nur nach hinten. Was Sie in der linken Spalte zusätzlich bezahlen, ist die Migration; was Sie in der rechten früher bezahlen, ist Kontrolle.
Die Rechnung kippt eindeutig zugunsten des Baukastens, wenn das Vorhaben vor dem dritten Jahr endet oder die Nutzerzahl klein bleibt. Sie kippt eindeutig zugunsten eigener Entwicklung, sobald ein zweites Produkt oder eine Anbindung an interne Systeme dazukommt.
Entscheidungshilfe
Beantworten Sie diese vier Fragen:
- Wollen Sie eine Annahme testen oder ein Produkt betreiben? Testen → Baukasten. Betreiben → eigener Code.
- Braucht die App eigene Daten oder nur Anzeige? Nur Anzeige → Baukasten reicht.
- Soll sie an ein bestehendes System andocken? Ja → Baukasten scheidet praktisch aus.
- Rechnen Sie in 12 Monaten mit mehr als 5.000 aktiven Nutzern? Ja → rechnen Sie den Neubau jetzt schon ein.
Bei zweimal „Betreiben/Ja" ist der Baukasten die teurere Variante — nur verschoben.
Wie wir das einschätzen
Wir empfehlen regelmäßig den Baukasten. Wenn eine Annahme noch nicht belegt ist, ist eine Woche Glide sinnvoller als acht Wochen Entwicklung. Erst wenn die Frage beantwortet ist, lohnt eigener Code — wie wir Projekte dann aufsetzen, steht auf unserer Seite zur Mobile-App-Entwicklung, plattformspezifisch unter iOS.
Wenn Sie unsicher sind, in welcher der beiden Welten Ihr Vorhaben liegt: Beschreiben Sie es uns kurz — Sie bekommen innerhalb von 48 Stunden eine Einschätzung samt Begründung, auch wenn die Antwort „dafür brauchen Sie uns nicht" lautet.